Die Revanche für die vor zwei Wochen erlittene Niederlage im DHB-Pokalfinale ist der MT Melsungen geglückt: Am 36. Spieltag der LIQUI MOLY Handball Bundesliga gewannen die Nordhessen gegen den TBV Lemgo Lippe nach einer 17:14-Halbzeitführung mit 30:28. Melsungen lag gegen die dezimierten Hausherren fast das gesamte Spiel über in Führung, teilweise sogar mit sechs Toren. In der Schlussphase aber wurde es noch einmal richtig eng, in der 53. Minute hatte Lemgo den Gleichstand erkämpft. Die Gäste, bei denen über weite Strecken Youngster Ole Pregler für den angeschlagen auf der Bank sitzenden Domagoj Pavlovic Regie führte, behielten trotzdem beim Stand von 24:24 kühlen Kopf. Julius Kühn, Marino Maric und Timo Kastening sorgten mit einem 3:0-Lauf zum 24:27 für den spielentscheidenden Vorsprung. Die Gastgeber hatten vor 1.000 Zuschauern in der Lemgoer PHOENIX CONTACT Arena im 11-fachen Torschützen Bjarki Mar Elisson (Linksaußen) ihren auffälligsten Spieler. Auf Seiten der MT Melsungen ragten mit Julius Kühn, 8 Tore, und Keeper Nebojsa Simic, 15 Paraden, zwei Spieler aus der ansonsten geschlossen auftretenden Mannschaft heraus. Die wurde von Co-Trainer Arjan Haenen gecoacht, anstelle des kurzfristig wegen einer Familienangelegenheit nach Hause gereisten Cheftrainers Gudmundur Gudmundsson. Zum letzten Heimspiel empfangen Lemke & Co. am Mittwoch die Füchse Berlin (19:00 Uhr, Rothenbach-Halle).

Gegenüber dem letzten Spiel gegen Hannover begann die MT Melsungen in Lemgo mit einer auf zwei Positionen veränderten Besetzung: Auf Linksaußen stand Michael Allendorf für Yves Kunkel und in der Mitte Ole Pregler. Der Youngster übernahm den Part vom etatmäßigen Regisseur Domagoj Pavlovic, der aufgrund von Kniebeschwerden lediglich als Notnagel auf der Bank Platz genommen hatte. Das Coaching an der Seitenlinie oblag Co-Trainer Arjan Haenen, der den kurzfristig wegen einer Familienangelegenheit nach Island geflogenen Gudmundur Gudmundsson vertrat. Unterstützend rückte zudem Vorstand Axel Geerken als weiterer Offizieller in den Betreuerstab.

Die MT hatte Anwurf und startete perfekt in das Spiel. Nach nur 39 Sekunden war prompt Nachwuchsmann Ole Pregler mit seinem Durchbruch erfolgreich und markierte das 0:1. Das von Lemgos Jonathan Carlsbogard postwendend mit dem Ausgleichstreffer beantwortet wurde. Dann scheiterte Tobias Reichmann mit einem Strafwurf an TBV-Keeper Peter Johannesson. Felix Danner und Bjarki Mar Elisson besorgten den nächsten Gleichstand (2:2, 4. Min.).

Der nach vorne geeilte Abwehrchef Finn Lemke, Timo Kastening per Tempogegenstoß und Julius Kühn aus dem Rückraum brachten die MT mit einem 3:0-Lauf erstmals etwas deutlicher nach vorn (2:5, 7. Min.). Bei den Gastgebern wollte es im Angriff noch nicht so recht funken. Hier machte sich das verletzungsbedingte Fehlen von Kapitän und Spielmacher Andrej Kogut, Halbrechts Andreas Cederholm und Rechtsaußen Lukas Zerbe bemerkbar. Auch der eigens zum Pokalspiel reaktivierte Christoph Theuerkauf war nicht dabei.

Die MT indes agierte konzentriert weiter – sowohl im Angriff wie auch in der Abwehr. Und was hinten durchrutschte, wurde oft Beute von Nebojsa Simic. Wie etwa beim Stand von 4:7 (10.), als Melsungens Torwart den von Linksaußen hereinfliegenden Bjarki Elisson stoppte. Oder wenig später, als er Rückraumspieler Dani Baijens entzauberte und in der Folge von Elisson auch noch einen Gegenstoß vereitelte.

In der Offensive strahlte Melsungen von allen Positionen Torgefahr aus. Eindrucksvoller Beweis: Die sechs Treffer vom 4:8 bis zum 8:13 wurden von sechs verschiedenen Torschützen (Danner, Kühn, Allendorf, Häfner, Kastening, Maric) erzielt. Da hatte das zwischenzeitliche Lemgoer Timeout, noch der Torwartwechsel von Peter Johannesson zu “Pokalschreck” Finn Zecher etwas genutzt. Dem schenkte dann Julius Kühn das 8:14 (22.) ein – Melsungen war zum ersten Mal mit sechs Toren beruhigend vorn. Und immer noch auch fünf Minuten später beim 11:17.

Dass die Gastgeber den Abstand bis zum Halbzeitpfiff noch halbieren konnten, lag sicher zum einen an der Strategie, mit sieben Feldspielern zu operieren, zum anderen an der etwas nachlassenden Konzentration auf Seiten der MT. Mit 14:17 ging es in die Pause.

Die Resultatsverkürzung hatte den Lipperländern offenbar Mut gemacht und verdeutlicht, dass es sich lohnt, weiterzukämpfen. Was sie auch erfolgreich taten. Mit zwei, drei Toren Abstand blieben sie in der Folge den Nordhessen auf den Fersen. Die schöpften indes das einsatzbereite Personal aus. Julius Kühn bekam Verschnaufpausen durch die Hereinnahme von Lasse Mikkelsen, Kai Häfner durch Stefan Salger und Felix Danner durch Marino Maric.

Auch wenn der Spielfluss dann nicht der gleiche war, wie bei einer länger miteinander eingespielten Formation, ließ sich die Mannschaft durch kleinere Abstimmungsprobleme oder technische Fehler an diesem Nachmittag nicht aus der Ruhe bringen.

Selbst dann nicht, als die nie aufsteckenden Gastgeber acht Minuten vor Schluss gar wieder gleichauf waren (24:24). Denn Julius Kühn, der alte Treffsicherheit an den Tag legte, Marino Maric, der mit artistischem Geschick ein Kühn-Anspiel aus schwieriger Lage verwertete und Timo Kastening, der nervenstark mit einem Lob übers gesamte Feld ins verwaiste leere Lemgoer Tor traf, stellten den Spielstand innerhalb von nur zwei Minuten vorentscheidend auf 24:27 (55.).

Der TBV versuchte in der Crunchtime noch einmal alles, unter anderem mit offener Manndeckung, kam aber nie mehr bis auf zwei Tore heran. Immer wenn es knapp wurde, wusste die MT eine Antwort zu geben. Zum Beispiel von Timo Kastening, der einen Abpraller zum 25:28 nutzte, oder von Marino Maric, der ein cleveres Anspiel von Ole Pregler mit dem 26:29 krönte. Kurzum, die MT verstand es, den Vorsprung unaufgeregt über die Zeit zu bringen und somit die zwei Punkte verdient mit nach Hause zu nehmen.

Julius Kühn zum Spiel: Die Vorbereitung auf dieses Spiel war schon nicht so einfach für uns, da wir zu dem Zweck noch viele Szenen aus dem verlorenen Pokalfinale analysiert haben. Gegenüber damals in Hamburg hatten wir heute eine viel bessere Angriffseffektivität und mit Nebojsa Simic einen sehr guten Rückhalt im Tor. Klar, wir wollten nach den beiden letzten Niederlagen gegen die Löwen und Hannover eine Reaktion zeigen. Das ist uns heute gelungen, wenn auch nicht mit allzu großer Deutlichkeit. Dafür aber gehen wir mit einem guten Gefühl aus diesem Spiel heraus. Unser Saisonziel haben wir zwar verfehlt, aber jetzt wollen wir unbedingt noch die beiden letzten Spiele gegen Berlin und Stuttgart gewinnen. Das sind wir zum einen unseren Fans schuldig und zum anderen den Spielern, die uns verlassen werden und denen wir einen ordentlichen Abschied bereiten wollen.

Quelle:MT-Pressedienst


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