Trotz 14 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zur höchsten deutschen Spielklasse ist die MT Melsungen das Nesthäkchen in der DKB Handball-Bundesliga. Dennoch haben sich die Nordhessen zu einer festen Größe gemausert, sind seit 2012 stets unter den Top-Ten zu finden. Mit dem Trainerwechsel im April 2018 – der Verein trennte sich nach acht Jahren von Michael Roth und beförderte seinen Co Heiko Grimm zum Nachfolger – wurde die erste Stufe eines Erneuerungsprozesses eingeleitet. Der wird nun konsequent fortgesetzt, das Tempo dabei forciert.

Axel Geerken leitet seit 2012 die Geschicke der MT Melsungen als Manager und mit der Umwandlung des Clubs in eine AG seit 2013 als Vorstand. Damit ist der 46-Jährige gesamtverantwortlich sowohl für den wirtschaftlichen, wie auch für den sportlichen Bereich. Das Profiteam entwickelte sich während dieser Zeit kontinuierlich und erreichte mit dem 4. Platz in 2016 und der jeweils zweimaligen Teilnahme am DHB-Pokal-Halbfinale und am EHF-Cup-Viertelfinale zwischen 2013 und 2017 ihre vorläufigen Höhepunkte.

Einen beeindruckenden Prozess durchlief die MT auch im Nachwuchsbereich, in dem alle Jugendmannschaften jeweils in den höchsten Ligen vertreten sind – bis hin zur A-Jugend, die seit vier Jahren in der Bundesliga spielt. Die hervorragende Jugendarbeit wird alljährlich mit dem Zertifikat der DKB Handball-Bundesliga bestätigt.

Komfortzonen und Auf-der-Stelle-treten gehören der Vergangenheit an

Im Profibereich aber ging es seit einiger Zeit nicht so recht weiter. Trotz der Verpflichtung der drei Europameister Julius Kühn, Tobias Reichmann und Finn Lemke wurde in 2018 “nur” Platz sieben in der Liga erkämpft. Geerken bekannte im März 2018 in einem Zeitungsinterview: “Wir treten auf der Stelle”. Nur einen Monat später zog der Verein die Reißleine, die MT trennte sich nach knapp acht Jahren von Trainer Michael Roth. Aufsichtsratschefin Barbara Braun-Lüdicke sagte dazu in einem späteren TV-Interview: “Es lief lange sehr angenehm und reibungslos. Aber im Laufe der Zeit hatten sich einige Komfortzonen gebildet. Die Trennung war alternativlos”. Bis dahin war Heiko Grimm gerade mal drei Monate lang als Co-Trainer an Bord, dann wurde er praktisch über Nacht zum Chefcoach berufen. Es sollte die erste Stufe eines weiteren Entwicklungsprozesses sein, die nun weiter an Fahrt aufnimmt und sich am deutlichsten in der Personalpolitik zeigt.

Geerken: Mit Heiko Grimm die nächste Stufe der Erneuerung einleiten

“Heiko Grimm ist inzwischen ein Jahr lang hauptverantwortlicher Trainer unseres Bundesligateams und wir haben im intensiven Austausch die Vorstellungen des Clubs und von Heiko Grimm hinsichtlich Spielphilosophie, Zusammensetzung der Mannschaft und die damit einhergehenden Ziele gemeinsam festgelegt. Das Konzept ist schlüssig und seine bisherige Handschrift als Chefcoach wird damit noch deutlicher. Er soll die nächste Stufe der Erneuerung einleiten und damit die Ziele realisierungsfähig machen, denen wir bislang etwas hinterherlaufen”, skizziert Axel Geerken die Erwartungen an Grimm, dem damit auch gleichzeitig entsprechende Befugnisse eingeräumt werden.

Grimm: Mehr Professionalität in allen Bereichen

“Wir wollen in allen mannschaftsrelevanten Bereichen noch professioneller werden. Von der stärkeren strategischen Ausrichtung bei der Besetzung des Kaders über eine modernere trainingsmethodische Steuerung bis hin zur Optimierung der Abläufe rund um Trainings- und Wettkampfeinsätze. Hier hat sich im Spitzenhandball in jüngster Zeit sehr viel getan, wir haben dahingehend einen gewissen Nachholbedarf. Meine Aufgabe als Trainer sehe ich darin, diesen möglichst zeitnah auszugleichen.

Heiko Grimm hat natürlich auch deutliche Vorstellung die Spielphilosophie betreffend. „Unser Spiel muss viel dynamischer und noch schneller werden. Die rasante Entwicklung in unserer Sportart haben zuletzt die erfolgreichen Teams bei der Weltmeisterschaft deutlich aufgezeigt. Wir brauchen vor allem im Rückraum Spieler, die sehr flexibel einsetzbar sind und mit hohem Tempo die Gegner vor ständig neue Herausforderungen stellen. Das ist in Ansätzen zum Beispiel schon von Lasse Mikkelsen und Roman Sidorowicz zu sehen, die wir deshalb auch weiterverpflichtet haben. Von unserem Neuzugang Stefan Salger erwarten wir, dass er als junger Spieler sich in diese Philosophie hineinarbeitet. Andererseits macht diese Neuausrichtung auch erforderlich, dass sich der Verein von Spielern trennt, die für eine andere Spielweise stehen”, erklärt der Coach.

Heiko Grimm, ist überzeugt, bis dahin auch ohne den prominenten Neuzugang im Rückraum schon über einen sehr guten Mix von flexiblen Spielgestaltern mit Überraschungsmomenten, von Allroundern, die auf mehreren Positionen einsetzbar sind und von gestandenen Schützen, die auch sogenannte einfach Tore erzielen können, zu verfügen. “Ein Rechtshänder auf Halbrechts wird dann keinesfalls nur eine Notlösung sein”.

Geerken: Wollen zunächst das Machbare erreichen

“Im Profisport bleibt zwar vieles unkalkulierbar, wie wir in dieser Saison anhand des unsäglichen Verletzungspechs leidvoll erfahren mussten, aber als Verein muss man zumindest den Nährboden bereiten, auf dem die sportlichen Ambitionen gedeihen können. Erschwerend kommt hinzu, dass sich mitunter die formalen Bedingungen ändern. Als wir vor drei Jahren die Vision hatten, in 2020 in der Champions League zu spielen, reichte es noch, in der Liga Platz vier zu belegen. Inzwischen kommen nur noch die beiden ersten Teams in die Königsklasse. Für uns ist es bis dahin aber noch ein weiter Weg. Wir wollen zunächst den Blick auf das Machbare lenken, und das ist den Sprung unter die Top-Five zu schaffen”, umreißt Axel Geerken das mittelfristige Ziel.


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