Sechsmal hintereinander war die MT Melsungen in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga zuletzt ungeschlagen, nun hat es die  Nordhessen erwischt. Die Erfolgsserie riss am Donnerstag in Leipzig. Nach einem Drei-Tore-Vorsprung zur Halbzeit setzte es am Ende eine 33:40-Schlappe. Die allerdings nicht den Spielverlauf widerspiegelt. Der SC DHfK Leipzig bestimmte in der ersten Viertelstunde das Geschehen, ehe Melsungen das Blatt wendete und eine 21:18-Führung mit in die Kabine nahm. Im zweiten Durchgang kamen die Hausherren schnell wieder heran und 11 Minuten vor dem Ende war beim 30:30 alles offen. Doch dann schlich sich der Fehlerteufel ins Melsunger Angriffsspiel und die Leipziger nutzten die Gunst der Stunde ein ums andere Mal zu Gegentreffern. Besonders bitter: Sechs Minuten vor dem Ende wurde Ivan Martinovic beim Nachwurf nach einem Siebenmeter gefoult und musste von den Sanitätern abtransportiert werden. Der Schreck darüber wirkte bei seinen Mannschaftskameraden zusätzlich nach, der Gegner hatte nun leichtes Spiel, die Führung kontinuierlich auszubauen. Beste Torschützen vor 3.789 Zuschauern in der Leipziger QUARTERBACK Immobilien Arena waren Sime Ivic (8) für den SC DHfK und Agustin Casado (8) für die MT. Melsungen hat nun 10 Tage Wettkampfpause und empfängt am 4. Dezember den Bergischen HC in Kassel.

Sowohl der SC DHfK Leipzig als auch die MT Melsungen gingen jeweils mit einer guten Portion Selbstvertrauen in die Partie, das sie sich aus ihren erfolgreichen Spielen der letzten Wochen erarbeitet hatten. Nach einer schnellen Zeitstrafe gegen Gleb Kalarash nach nur 38 gespielten Sekunden eröffnete der Ex-Melsunger Marino Maric den Torreigen. Für die MT antwortete Agustin Casado und die erste Parade im Tor zeigte kurz darauf Nebojsa Simic, der einen Wurf von Viggo Kristjánsson entschärfte.

In der Folge bestimmten die Sachsen das Geschehen, ohne sich allerdings wirksam abzusetzen. Deren erste sechs Tore wurden von fünf verschiedenen Spielern erzielt. Gefahr drohte der Melsunger Abwehr, bei der jeweils Gleb Kalarash für Dimitri Ignatow aufs Feld kam, also von fast allen Positionen. Aber die Nordhessen blieben dran. Vor allem dank der Durchsetzungsfähigkeit von Agustin Casado. Der Rückraumspieler, der sich die Regiearbeit mit Aidenas Malasinskas teilte, hatte bis zum 7:6 (10. Min.) bereits dreimal als Torschütze zugeschlagen.

Der Spanier war es auch, der vier Minuten später die MT zum ersten Mal an diesem Abend in Führung brachte. Und das für ihn eigentlich ungewöhnlich mit einem Tempogegenstoß, den er mit einem lässigen Dreher um die Füße von SC-Schlussmann Kristian Sæverås erfolgreich abschloss (9:10, 15.). Rúnar Sigtryggsson, Leipzigs neuer Trainer, sah sich zu einem Timeout gezwungen. Dessen Melsunger Pendant, Roberto Garcia Parrondo nutzte die Gelegenheit, den Rückraum komplett zu tauschen. Für Ivan Martinovic, Aidenas Malasinskas und Agustin Casado kamen Kai Häfner, Elvar Örn Jonsson und André Gomes zum Einsatz.

Nach Wiederanpfiff und einer Parade von Nebojsa Simic gegen Viggo Kristjánsson besorgte Ivan Martinovic per Strafwurf das 9:11 (16.). Allerdings erwies sich dieser zarte Vorsprung  noch nicht als tragfähig. Leipzig kam nämlich wieder auf und ging sogar mit 14:13 (21.) nach vorn. Maßgeblichen Anteil daran hatten die beiden Kroaten Ive Simic aus dem Rückraum und Marino Maric vom Kreis. Kurz zuvor hatte Kristian Sæverås den Platz im Tor für seinen Teamkollegen Mohamed El-Tayar freigemacht.

Die Partie blieb weiterhin eng und deshalb unterhaltsam, vor allem wegen der Tore, die in immer kürzeren Abständen fielen. Hüben wie drüben gehörte die jeweilige Abwehrreihe also nicht unbedingt zu den spielbestimmenden Elementen. Man war zwar stets eifrig bei der Sache, aber eben nicht unbedingt effektiv.  Kein Wunder also, dass nach knapp 25 Minuten bereits 32 Treffer (16:16) von der Anzeigentafel leuchteten.

Und es sollten bis zum Halbzeitpfiff noch sieben folgen. Aus nordhessischer Sicht zum Glück davon gar fünf. Denn die MT legte in den letzten fünf Minten einen unwiderstehlichen Spurt aufs Parkett: Ivan Martinovic, Agustin Casado, Dimitri Ignatow, André Gomes und eine Sekunde vor der Pausensirene auch noch Elvar Örn Jonsson ließen es so richtig krachen. Mit der 21:18-Führung hatten sich die Rotweißen eine verheißungsvolle Perspektive für den zweiten Durchgang erarbeitet.

Der begann jedoch mit einem Melsunger Fehlangriff, einer Parade von Kristian Sæverås und einem Treffer von Luca Witzke. Es waren unmissverständliche Zeichen der Hausherren, dass  sie an diesem Abend ihre Chance suchen würden. Ein Ansinnen, das sie kurz darauf mit dem 22:22 untermauerten. Die MT hatte sich zwei Fehlangriffe erlaubt, die die Gastgeber flugs ausgenutzt hatten, um wieder gleichzuziehen.

Melsungen war jedenfalls auf der Hut, deutete die Signale der Grünweißen richtig und hielt dagegen. Mit spielerischen Mitteln. Wie etwa beim 22:23 (36.) durch Agustin Casado – diesmal nicht als Rückraumschütze, sondern als Einläufer vom Kreis. Oder auch beim 25:26 (40.) durch den lehrbuchmäßig freigespielten Dimitri Ignatow auf Rechtsaußen.  Auf der anderen Seite waren Sime Ivic und Marino Maric weiterhin schwer in den Griff zu bekommen. Der Rückraumspieler war mit seinem sechsten Treffer für die Leipziger Führung zum 24:23 (37.) verantwortlich.

Beim 27:28 (45.) hätte die MT den Abstand wieder auf zwei Treffer erhöhen können, aber Dimitri Ignatow scheiterte mit einem Heber an Kristian Sæverås. Die Strafe folgte auf dem Fuße, nämlich durch den Ausgleichstreffer von Viggó Kristjánsson. Und als Elvar Örn Jonsson nach sehenswertem  Durchbruch nur den Pfosten traf, nutzte erneut Viggó Kristjánsson die Gelegenheit zur Führung (29:28, 48.).

Die MT blieb hartnäckig. In Person von Agustin Casado, der den Ausgleich erzwang, und André Gomes, der den anschließenden Gegentreffer von Patrick Wiesmach mit seinem Tor zum 30:30 neutralisierte. Womit 11 Minuten vor Schuss das Kopf-an-Kopf-Rennen in die entscheidende Phase ging. Eingeläutet wurde die von Matej Klima und Sime Ivic (32:30, 51.) – Vorteil Leipzig.

Roberto Garcia Parrondo nahm einen Torwartwechsel vor, beorderte Adam Morawski für Nebojsa Simic zwischen die Pfosten. Vorne verkürzte derweil Kapitän Kai Häfner zum  32:31 (51.). Noch neun Minuten also auf der Uhr und für die MT war noch alles drin. Was sich jedoch schlagartig ändern sollte. Denn die bis dahin gut funktionierende Offensive kam ins Stottern, leistete sich Aussetzer. Und die wurden jetzt gnadenlos mit schnellen Vorstößen des Gegners bestraft. Patrick Wiesmach, flinker Rechtsaußen, legte mit einem lupenreinen Hattrick (33:31, 34:31, 35:31; 54.) innerhalb von nur 121 Sekunden die Spur.

Roberto Garcia Parrondo drückte folgerichtig den Auszeit-Buzzer und ließ anschließend “7 gegen 6” spielen – Arnar Freyr Arnarsson und Gleb Kalarash bildeten das Kreisläufergespann. Und das gleich mit Erfolg, denn der Isländer holte einen Siebenmeter heraus. Ivan Martinovic, Spezialist in dieser Angelegenheit trat an, hämmerte das Spielgerät an den Pfosten, schnappte sich den Nachwurf, den er dann nicht mehr vollenden konnte. Matej Klima war im übereifrig in die Parade gefahren und hatte den Rückraumspieler so unglücklich zu Fall gebracht, dass dieser schwer umknickte und schmerzgeplagt vom Rettungsdienst vom Feld gefahren werden musste.

Die Konsequenz: Rote Karte gegen Klima und erneut Strafwurf für die MT, den Aidenas Malasinskas zum 35:32 verwandelte. Knapp sechs Minuten waren noch zu spielen. Ging da also noch etwas für die MT? – Nein! Im Gegenteil. Es gelang ihr nicht mehr, den Faden aufzunehmen, den sie noch bis zur 51. Minute fleißig geknüpft und der zudem Hoffnung auf einen Auswärtserfolg gemacht hatte.

In dieser Schussphase klappte bei der MT fast nichts mehr, beim Gegner hingegen nahezu alles, wie der 5:1-Lauf deutlich macht. Dass der 40:33-Endstand nicht den wahren Spielverlauf widerspiegelt, ist nur ein schwacher Trost.  MT-Vorstand Axel Geerken ist jedoch davon überzeugt, dass die Spieler dieses Ergebnis in der zehntägigen Wettkampfpause rückstandsfrei verarbeiten werden, um sich dann am 4. Dezember mit neuer Konzentration dem Heimspiel gegen den Bergischen HC zu widmen.

Stimmen zum Spiel:

Kai Häfner: Wir haben das Spiel Anfang der zweiten Halbzeit binnen weniger Minuten hergegeben. Auch im weiteren Verlauf haben wir hinten wie vorne zu viele Fehler gemacht. Zudem ist es uns nicht gelungen, Leipzigs Angriffe zu stoppen. Zum Schluss war es dann einfach eine Katastrophe. Andererseits muss man sagen, dass Leipzig ein gutes Spiel gemacht hat.

Simon Ernst: „Das war überhaupt nicht zu erwarten. Weder vor dem Spiel noch in der Halbzeit. Ich erinnere mich nicht daran, dass wir, seitdem ich hier bin, mal 40 Tore geworfen haben. Ich bin aber auch kaputt, weil wir sehr viel gelaufen sind.“

Quelle:MT-Melsungen Pressedienst


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