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MT Melsungen kommt zu spät auf Touren – 27:28-Niederlage beim Bergischen HC

Im ersten Pflichtspiel nach der WM-bedingten Ligapause kassierte die MT Melsungen eine 27:28 (10:13)-Auswärtsniederlage gegen den Bergischen HC. Schon der Rückstand zur Halbzeitpause ließ nichts Gutes erahnen. Nur zweimal lagen die Nordhessen in diesem Spiel vorn, das beim Auftakttreffer zum 0:1 durch Elvar Örn Jonsson und beim 8:9 durch Agustin Casado in der 24. Minute. Ansonsten gaben die Hausherren den Ton an und retteten sich trotz Nervenflatterns in der Crunchtime knapp über die Ziellinie. Zuvor hatten Häfner & Co. noch einmal alles versucht, doch der beeindruckende 4:0-Lauf zwischen der 54. und 58. Minute zum 27:26-Anschluss kam zu spät. Beste Torschützen vor 2.768 Zuschauerinnen und Zuschauern in der Wuppertaler Uni-Halle waren Lukas Stutzke (8) und Frederik Ladefoged (7) für den BHC und Kai Häfner und Elvar Örn Jonsson (beide jeweils 5) für die MT.

Die MT Melsungen war gewarnt. Denn schon im Hinspiel im Dezember in Kassel hatte der Bergische HC mit dem Unentschieden gezeigt, dass mit ihm nicht zu spaßen ist. Das klar verlorene Vorbereitungsspiel vor gut einer Woche gegen Ligaschlusslicht ASV Hamm war ein weitere Warnschuss für die Nordhessen. Und tatsächlich taten sich die Schützlinge von Roberto Garcia Parrondo auch am Sonntag in Wuppertal von Anfang an sehr schwer.

Dabei hatte Elvar Örn Jonsson schon nach 37 Sekunden mit dem Tor zum 0:1 genau das Richtige getan, um die Bremse beim Tabellensechsten zu lösen. Eine weitere gute Voraussetzung, selbstbewusst aufzutreten, war auch durch das Mitwirken zweier genesener Stammkräfte gegeben. Sowohl Linksaußen David Mandic als auch sein Pendant auf der anderen Seite, Timo Kastening, waren wieder an Bord. Und natürlich auch Kai Häfner und Agustin Casado, die sich beim Test gegen Hamm noch von den WM-Strapazen erholen durften.

Der BHC antwortet auf Melsungens Eröffnungstreffer gleich zweifach – Noah Beyer überwand von linksaußen Torwart Nebojsa Simic und Lukas Stutzke traf aus dem Rückraum. Die MT operierte in ihrer gewohnten 6:0 Abwehrformation, in der Julius Kühn Kai Häfner entlastete. Elvar Örn Jonsson gelang auch der zweite Treffer für die Rotweißen zum 2:2-Ausgleich. Danach aber übernahmen zunächst die Löwen wieder das Kommando. Linus Arrnesson von der Strafwurflinie sowie Lukas Stutzke und erneut Linus Arrnesson – diesmal aus dem Rückraum – besorgten die 5:2-Führung für die Hausherren. Auf dem Weg dorthin hatte ihnen die MT zweimal mit etwas Pech den Weg geebnet: Arnar Freyr Arnarssons Ball war an der Latte gelandet und Elvar Örn Jonssons Zuspiel hatte keinen Abnehmer gefunden.

Im Angriff ließ Roberto Garcia Parrondo mit David Mandic, Agustin Casado, Elvar Örn Jonsson, Kai Häfner Dimitri Ignatow und Arnar Freyr Arnarsson spielen, wobei Casado und Jonsson die Positionen im linken und mittleren Rückraum unter sich ausmachten und so den Gegner vor ständig wechselnde Situationen stellten. Beim 5:4 (13) war Melsungen wieder dran. Und weil danach Nebojsa Simic gegen den frei vor ihm auftauchenden Lukas Stutzke parierte und wenig später auch noch gegen Fabian Gutbrod, und vorne Dimitri Ignatow und Kai Häfner trafen, war beim 5:6 nach einer guten Viertelstunde fast alles wieder offen.

Durch zwei Fehler im MT- Angriff, einen lehrbuchmäßigen Unterarmwurf von Linus Arnesson und einen Treffer von Fabian Gutbrod kamen die Löwen wieder in Vorhand (8:6, 20.). Was jedoch nicht von langer Dauer bleiben sollte. Denn die Gäste drehten mit einem 3:0-Lauf innerhalb von gut drei Minuten – Gleb Kalarash im Gegenstoß, Aidenas Malasinskas per Siebenmeter und Agustin Casados mit erfolgreichem Durchbruch – den Spieß wieder um (8:9, 24.). War jetzt der Knoten bei der MT geplatzt? Zumal die Fehlerquote bei den Hausherren unübersehbar zugenommen hatte.

Nein! Denn nach der von Jamal Naji genommenen Auszeit legten auch die Gastgeber einen 3:0-Lauf aufs Parkett und holten sich die Führung zurück (11:9, 27.). Danach leisteten sich beide Mannschaften innerhalb von nur knapp zwei Minuten technische Fehler, Fehlwürfe sowie Zeitstrafen, ehe Dmitri Ignatow zwei Minuten vor dem Pausenpfiff den Anschlusstreffer zum 11:10 erzielte. Es sollte für die MT das letzte Erfolgserlebnis im ersten Durchgang bleiben, während den Löwen noch zwei weitere Male jubelten. Beim 13:10 ging es in die Kabinen.

Zum Auftakt in die zweite Spielhälfte lieferte der für Nebojsa Simic zwischen die Pfosten gekommene Adam Morawski gleich eine Glanztat, indem er den völlig unbedrängt werfenden BHC-Kreisläufer entzauberte. In der gleichen Angriffsaufstellung wie zu Beginn des Spiels gelang der MT dann der nächste Treffer. Erfolgreich war Kai Häfner, der heute über die gesamte Spieldauer gefordert war, da sein Positionskollege Ivan Martinovic wegen Knöchelproblemen nicht an Bord sein konnte.

Im weiteren Verlauf gelang es den Nordhessen zunächst nicht, den Abstand von zwei bis drei Toren zum Gegner weiter zu reduzieren. Obwohl gute Ansätze erkennbar waren. Wie etwa von dem inzwischen eingewechselten André Gomes. Der Halblinke brachte mit seiner Dynamik frischen Schwung ins Melsunger Angriffsspiel, wartete schnell mit einem Tor auf und einer gelungenen Aktion, die vom Gegner nur per Foul gestoppt werden konnte. Den Siebenmeter übernahm der nun erstmals und eigens zu diesem Zweck aufs Feld gekommene Timo Kastening. Souverän hämmerte der Comebacker den Ball zum 15:13 in die Maschen des BHC-Gehäuses (35.).

Sieben Minuten später keimte sogar Hoffnungen auf die Wende zugunsten der MT auf als Agustin Casado nach einer tollen Parade von Adam Morawski auf 20:19 (42.) verkürzte. Leider – aus Sicht der Gäste – hatten sich bis dahin auf der anderen Seite Rückraumspieler Lukas Stutzke und Kreisläufer Frederik Ladefoget dermaßen warmgeworfen, dass die beiden kaum noch zu stoppen waren. So erzielte der baumlange Nahwurfzonenspezialist kurz darauf das 21:19. Und der Däne legte sogleich zum 22:19 nach (45.), nachdem erst Timo Kastening von der Strafwurflinie und dann Agustin Casado jeweils an Christopher Rudeck gescheitert waren.

Doch die Nordhessen kamen noch einmal ganz stark zurück, obwohl ihnen nach dem 27:22 (53.) durch den zweiten BHC-Kreisläufer, Tom Nikolaisen, das Spiel völlig zu entgleiten drohte. Kapitän Kai Häfner gab mit dem 27:23 das Signal zur Aufholjagd. Melsungen hatte inzwischen die Abwehr auf 5:1 – mit David Mandic als Vorposten – und im Angriff auf Sieben gegen Sechs umgestellt. Das führte zum nächsten Tor durch Elvar Örn Jonsson. Der BHC schien nervös zu werden, vergeigte seinen folgenden Vorstoß. Auf der anderen Seite holte Arnar Freyr Arnarsson einen Siebenmeter heraus, der von Timo Kastening zum 27:25 genutzt wurde. Und erneut patzten die Löwen im Angriff. Kai Häfner bestrafte dies im Gegenzug in seiner unnachahmlichen Art per beidbeinigem Sprungwurf zum 27:26-Anschluss. Der BHC nahm ein Timeout, um den Vorwärtsdrang des Gegners zu stoppen.

Zu spielen waren nun noch knapp zweieinhalb Minten. Das hätte der MT sogar reichen können, um das Blatt vollständig zu wenden. Doch nach Wiederanpfiff gelang Lukas Stutzke, dem an diesem Abend kaum zu bremsenden Löwen, mit dem Glück des Tüchtigen das 28:26. Adam Morawski rutschte der eigentlich schon gehaltene Ball noch unter dem Körper hindurch ins Tor. Und nach Timo Kastenings anschließendem Siebenmetertreffer zum 28:27 zeigte die Hallenuhr nur noch 14 verbleibende Sekunden an, die die Hausherren dann unbeschadet über die Bühne bringen konnten.

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