Kiel. Mit großen Hoffnungen angereist, mit finsteren Mienen aus der Halle getrottet. Die Handballer der MT Melsungen erlebten im Bundesliga-Schlager beim THW Kiel eine der bittersten Stunden der Vereinsgeschichte.

Die 20:37 (10:19)-Packung gegen den Rekordmeister war eine Demontage für die zuletzt bis auf den vierten Tabellenplatz gekletterten Nordhessen.

Als das Spiel lief, war nur eine Mannschaft bereit – und das war nicht die der Melsunger. Die MT fand überhaupt nicht in die Begegnung. Gebraucht hätte es eine starke Abwehr, einen effektiven Angriff und eine überzeugende Torwartleistung. Doch nichts von dem war in der ersten Viertelstunde zu sehen. Der Auftritt ließ sich mit einem Wort gut beschreiben: verhalten. Ob es an der schwierigen Vorbereitung mit vielen grippekranken Spielern lag?

Auf die Hausherren passte ein anderer Begriff: aggressiv. Die Kieler waren vom Anwurf weg bereit und bestraften die Tiefschlaf-Phasen bei den Gästen prompt: 7:1 nach elf Minuten. Melsungens Trainer Heiko Grimm sah sich früh gezwungen, in allen Bereichen Umstellungen vorzunehmen. Das ging sogar so weit, dass er mit sieben Feldspielern und dabei mit drei Kreisläufern operierte. Ein System, das im Mai den Überraschungscoup bei den Rhein-Neckar Löwen einbrachte. Und jetzt? Nein. Nur punktuell gelang es den Nordhessen, die THW-Deckung und vor allem den bärenstarken Keeper Niklas Landin zu überwinden. Tobias Reichmann, Lasse Mikkelsen und Felix Danner hatten einige erfolgreiche Abschlüsse. Umso ärgerlicher, dass Kreisläufer Danner durch die zweite Zeitstrafe früh gehandicapt war.

So oft wie die Melsunger die Bälle im Angriff ohne Not wegwarfen, war es keine Überraschung, dass sie vor der Pause von 10:16 mit 10:19 ins Hintertreffen gerieten. Die MT-Profis mussten hoffen, dass der Titelfavorit nach dem Wechsel etwas das Tempo herausnehmen würde. Doch die Realität sah so aus, dass die Norddeutschen weiter konsequent in die Nahtstellen stießen. Die 10.000 Zuschauer in der Sparkassen-Arena sangen schon in der 37. Minute „Olé, Olé“. MT-Manager Axel Geerken und der verletzte Timm Schneider (lädiertes Handgelenk), die hinter dem Kasten von Landin saßen, mochten indes fast gar nicht mehr hinsehen, als Kiels Spielmacher Domagoj Duvnjak in der 41. Minute ein Kempa-Anspiel zum 27:13 verwertete.

Wenn man denn von einem Höhepunkt aus Melsunger Sicht überhaupt sprechen konnte, dann war es eine Doppelparade von Nebojsa Simic (42.), der den Siebenmeter von Niclas Ekberg und auch den Nachwurf parierte. Aber auch diese Szene läutete keine gute Melsunger Phase ein. Das Schlimmste am 31:17 von Kiels norwegischem Rückraumschützen Harald Reinkind war nicht die Tatsache, dass es sein erster Treffer an diesem Abend war. Nein: Dass immer noch zehn Minuten zu spielen waren. Das Debakel ging weiter. Wie groß der Frust bei Melsungen war, war am besten bei Julius Kühn zu sehen. Der etatmäßige Torjäger der Gäste kam überhaupt nicht zur Geltung und fiel nur durch drei Zeitstrafen auf, die ihm in Minute 58 die Rote Karte einbrachten. Er ging sofort in die Kabine – und kurz darauf folgten ihm die Kollegen. Völlig fassungslos.

 Quelle: HNA,Björn Mahr berichtete aus Kiel

 

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