Endlich wieder Training, endlich wieder Wettkampf! Nach coronabedingter Zwangspause greifen die Handballer der MT Melsungen am Sonntag wieder ins Spielgeschehen ein. Während gut die Hälfte der 20 Erstligisten der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga bereits acht oder gar neun Meisterschaftsspiele bestritten hat, tritt die MT am Sonntag erst zum siebten Mal in dieser Saison an. Um 18:30 Uhr steigt in der Kasseler Rothenbach-Halle das vom 26. auf den 29. November verlegte Heimspiel gegen den Bergischen HC. Aufgrund der geltenden Pandemieregelungen wird diese Begegnung ohne Hallenpublikum stattfinden. Wie gewohnt überträgt Bezahlsender SKY live. Bereits gegen 17:15 Uhr startet die MT auf den vereinseigenen Kanälen Facebook und YouTube “Kurz vor Anpfiff live” mit einem informativen Warm Up.

Vier Wochen keinen Wettkampf, das ist im Bundesligahandball eine halbe Ewigkeit. Eine solch lange Zeitspanne der Nichtberufsausübung erleben die Profisportler noch nicht einmal als Jahresurlaub nach dem Ende einer Saison. Die Verschnaufpause im Sommer währt meist nur drei Wochen, ehe es dann schon wieder in das Vorbereitungstraining auf die nächste Saison geht. Die Spieler der MT Melsungen waren bis zum Dienstag zur Untätigkeit verdammt, weil das Coronavirus bei Kapitän Finn Lemke zugeschlagen hatte und sich deshalb die komplette Mannschaft in eine 14-tägige häusliche Quarantäne begeben musste.

Aufgrund einiger Infektionsfälle, die nach der Länderspielwoche Anfang November im Kader der deutschen Nationalmannschaft bekannt wurden, hatten sich die MT und die SG Flensburg-Handewitt am 11. November, wenige Stunden vor Anpfiff, darauf verständigt, die Bundesligapartie vorsorglich abzusagen. So traten die bereits am Vorabend in Flensburg angereisten Nordhessen am Spieltag unverrichteter Dinge die Heimfahrt an. Kaum zuhause angekommen, wurde dann mit Finn Lemke auch bei der MT ein Coronafall bestätigt.

Obwohl die Profis während ihrer zweiwöchigen häuslichen Isolation versucht haben, sich unter den gegebenen Beschränkungen so gut wie möglich per Fahrradergometer und Gewichtestemmen fit zu halten, ist das “Hometraining” kein Ersatz für eine gemeinsame, wettkampfnahe Arbeit mit Ball in der Halle. Insofern gab es ein leichtes Aufatmen bei den Verantwortlichen, als am Dienstagmittag die Nachricht von der spielleitenden Stelle der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga kam, wonach des eigentlich für den 26. November geplante Heimspiel gegen den Bergischen HC um drei Tage, auf den 29. November, verschoben wird.

MT-Trainer bangt um die Gesundheit seiner Spieler

Damit hat Gudmundur Gudmundsson zwar die Gelegenheit, seine Schützlinge wenigstens in drei Einheiten statt in einer auf das Spiel vorzubereiten, aber auch das hält er für längst nicht ausreichend: “Die komplette Mannschaft war quasi zwei Wochen lang im Gefängnis. Die Spieler konnten zuhause nur auf dem Fahrrad sitzen und Gewichte heben, aber nicht laufen, nicht werfen, einfach nichts machen, was mit Handball zu tun hat. Und dann sollen sie nur drei Tage später schon wieder ein intensives Bundesligaspiel bestreiten. Ich habe Angst um die Gesundheit der Spieler”.

Der Coach weiter:

“Die MT ist bislang die einzige Mannschaft in der Liga, die so lange nicht trainieren und keinen Wettkampf bestreiten konnte. Es gibt keinerlei Erfahrungen mit einer solchen Situation. Handball ist bekanntermaßen ein Sport, bei dem es sehr auf Athletik, Taktik und Abstimmung ankommt. Ich sehe für uns einen klaren Wettbewerbsnachteil und gleichzeitig eine riesige Herausforderung für die nächsten Wochen!”

Abwehrchef Finn Lemke – Spielt er oder spielt er nicht?

Fakt ist, durch die coronabedingt ausgefallenen Spiele gegen die SG Flensburg-Handewitt, den SC Magdeburg und die TSV Hannover-Burgdorf sind die Rotweißen von vierten auf den siebten Tabellenplatz zurückgefallen. Die Aufholjagd soll am Sonntag gegen die Bergischen Löwen beginnen. Dabei wird Gudmundur Gudmundsson mit Kapitän Finn Lemke womöglich auf einen wichtigen Baustein in der Defensive verzichten müssen. Der Abwehrchef hat nach überstandener Infektion das Abschlusstraining am Freitag zwar mit der Mannschaft absolvieren können, aber ein eventueller Einsatz wird sich erst kurz vor dem Spiel entscheiden. Ist er nicht dabei, würde sich der Innenblock aus dem Trio Arnar Arnarsson, Marino Maric und Felix Danner rekrutieren.

BHC kommt dezimiert aber mit einer Idee

Beim Bergischen HC muss Trainer Sebastian Hinze verletzungsbedingt auf das Rückraum-Trio Linus Arnesson (30, RL), Daniel Fontaine (31, RL) und Alexander Weck (20, RL) verzichten. Der BHC-Coach ist sich sicher, sein Team gut eingestellt zu haben. “Wir haben eine Idee, wie wir gegen die MT-Abwehr agieren wollen. Das Wichtigste ist, immer wieder zu erkennen, was wir in der Situation spielen können. Es wird darauf ankommen, sehr gute Entscheidungen zu treffen. Wir dürfen uns nicht in Zweikämpfe zwingen lassen, die wir ohne Anlauf führen müssen,”, wird der 41-Jährige auf der vereinseigenen Homepage zitiert.

MT muss Schlüselspieler in Schach halten

Für die Hausherren wird es wichtig sein, die Schlüsselfiguren auf des Gegners Seite möglichst in Schach zu halten. Dazu zählen Regisseur Tomas Babak, die beiden Halbspieler Fabian Gutbrod (RL) und David Schmidt (RR) sowie die Nahwurfzonen-Spezialisten Max Darj (Kreis), Jeffrey Boomhouwer (LA) und Arnor Gunnarsson (RA). Die beiden Letztgenannten dürften sich am meisten auf die Begegnung mit der MT freuen sich. Während Jeffrey Boomhouwer an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt, an der er von 2014 bis 2018 aktiv war, trifft Arnor Gunnarsson hier auf seine Landsleute Gudmundur Gudmundsson und Arnar Freyr Arnarsson, mit denen er erst vor Kurzem mit der isländischen Nationalmannschaft ein EM-Qualifikationsspiel absolviert hat.

Spannend wird es also sein, wie schnell die Rotweißen den Faden wiederaufnehmen können, den sie in den beiden Spielen vor der Zwangspause mit viel Geschick geknüpft haben. In den siegreichen Partien gegen Wetzlar und Nordhorn hat die Mannschaft mit jeweils 33 erzielten Toren vielversprechend angedeutet, dass sie nicht nur Abwehr kann.

Quelle: MT-Pressedienst


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