Das nennt man wohl einen kapitalen Fehlstart. Die MT Melsungen hat am Samstagabend zum Saisonauftakt in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 25:36 (11:18) verloren. Nach einer guten Viertelstunde sahen sich die Nordhessen bereits mit 5:10 im Hintertreffen. Kein einziges Mal im Spiel sollte es einen Gleichstand, geschweige denn eine Führung für die Rotweißen geben. Erfolgreichste Torschützen vor  4.166 Zuschauern in der Mannheimer SAP-Arena waren auf beiden Seiten jeweils Neuzugänge: MT-Kreisläufer Rogério Moraes (6) und der Halblinke der Löwen, Halil Jaganjac (7). Die Heimpremiere der MT Melsungen steigt am Donnerstag gegen den HSV Hamburg (19:05 Uhr, Rothenbach-Halle Kassel).

Ausgehend von der guten Saisonvorbereitung hatten sich alle im MT-Lager den Ligastart ganz anders vorgestellt als er jetzt passiert ist. Eine deftige Klatsche gegen die Rhein-Neckar Löwen zumindest nicht. Doch schon die Anfangsformation mit Nebojsa Simic, David Mandic, André Gomes, Agustin Casado, Kai Häfner, Dimitri Ignatow und Rogério Moraes hatte Probleme, die jeweils mit hohem Tempo heranstürmenden Löwen zu stellen. Allen voran Halil Jaganjac, der von Kielce für drei Jahre ausgeliehene Halblinke, der gleich die ersten beiden Tore der Partie erzielte.

Nach zwei Paraden des Ex-Melsungers Mikael Appelgren gegen Kai Häfner und Agustin Casado war es nach fünfeinhalb gespielten Minuten Linksaußen David Mandic, der bei der MT den Knoten platzen ließ. Überhaupt sollten Tore in dieser ersten Viertelstunde Mangelware bleiben.

Beide Teams operierten mit einer mehr oder weniger offensiv interpretierten 6:0 Abwehr, wobei sich die der Hausherren als etwa sattelfester erwies – nicht zuletzt dem glänzend aufgelegten Appelgren geschuldet. Dennoch blieben die Rotweißen den Gelbhemden zunächst auf den Fersen. Nebojsa Simic parierte einen Siebenmeter von Uwe Gensheimer  während auf der anderen Seite zweimal David Mandic und Ivan Martinovic per Strafwurf den 6:5-Anschluss sicherstellten (13. Min.).

Das sollte für quälend lange sieben Minuten der vorerst letzte Melsunger Treffer bleiben. Denn fortan drehten die Löwen immer weiter auf, hatten in Juri Knorr, Olle Forsell Schefvert und Albin Lagergren abschlusssichere Rückraumspieler und zogen nach diesem Zwischenspurt auf 11:5 davon. Kurz zuvor, nach dem 10:5, hatte Roberto Garcia Parrondo noch per Auszeit versucht, den gegnerischen Vorwärtsdrang zu stoppen – was aber leider nicht gelang.

Zu allem Überfluss häuften sich auf Melsunger Seite nun noch Fehlwürfe und technische Fehler. Und auch die Abwehr bekam zu selten Zugriff auf die potentiellen Schützen des Gegners. So konnten die Löwen ihr Polster bis zum Halbzeitpfiff sogar auf 18:11 ausbauen.

Der Einstieg in die zweite Hälfte ließ die MT auf Besserung hoffen, als Julius Kühn gleich im ersten Vorstoß das 18:12 erzielte. Der Melsunger Halblinke, im ersten Durchgang nur zu einem Kurzeinsatz gekommen, traf nach zwei Gegentoren von Halil Jaganjac dann auch noch zum 20:13 (32.).

Ernsthaft den Gegner in Bedrängnis zu bringen, gelang in der Folge jedoch nicht. Denn die Kraichgauer hielten das Tempo hoch, waren in der Abwehr wie auch im Angriff schnell auf den Beinen und ließen die Nordhessen kaum zur Entfaltung kommen. Roberto Garcia Parrondo versuchte mit diversen Umstellungen neue Impulse zu setzten, aber auch die zeigten zunächst nicht die erhoffte Wirkung. Beim Stand von 24:15 nach knapp 38 Minuten schien die Vorentscheidung gefallen.

Oder doch nicht? Denn die noch nicht aufsteckende MT erarbeitete sich plötzlich eine Wende zum Guten. Immer öfter wurde nun Rogério Moraes am Kreis nicht nur gesucht, sondern auch gefunden. Und der Brasilianer dankte es mit drei Treffern fast in Folge, nur unterbrochen von einem Rückraumtor von Regisseur Agustin Casado. Die Melsunger Aufholjagd zum 24:19 (42. Min.) trieb Löwen-Coach Sebastian Hinze eilends zum Zeitnehmertisch, wo er die Grüne Karte niederlegte.  Deren Vorsprung war auf fünf Tore zusammengeschmolzen. Geht da etwa noch was für die MT? 

Die ernüchternde Antwort lautet: Nein! Denn als hätten sich die Löwen von der MT-Attacke so richtig gereizt gefühlt, holten sie nun gnadenlos zum Gegenschlag aus, und zwar gleich zu einem siebenfachen. Kaum acht Minten später, nach dem 31:20, war dann die Messe für die MT tatsächlich gelesen. Die verbleibenden 11 Spielminuten brauchten die – was Wunder – euphorisierten Hausherren ihren Vorsprung gegen die an diesem Abend auf verlorenem Posten stehende Gäste dann praktisch nur noch zu verwalten. 

Die am Ende deftige 25:36-Niederlage muss schnellstmöglich verdaut werden, denn schon am Donnerstag steht die Heimpremiere gegen den HSV Hamburg auf dem Programm. Gegen die Mannschaft also, die zum Saisonstart beinahe den haushohen Favoriten Flensburg hat stolpern lassen.

Die Enttäuschung nach dem Schlusspfiff konnte logischerweise auch MT-Sportdirektor Michael Allendorf nicht verbergen: “Ich weiß, wie unser Trainer die Mannschaft auf die Rhein-Neckar Löwen eingestellt hat. Leider wurde kaum etwas von dem auf dem Spielfeld umgesetzt. Wir haben zwar eine erfolgreiche Saisonvorbereitung absolviert, aber Bundesliga-Alltag ist dann doch noch mal etwas ganz anderes. Das müssen nicht nur unsere neuen Spieler schnell lernen, sondern sich auch alle anderen bewusst machen. Denn gegen Hamburg müssen wir einen anderen Auftritt hinlegen”.

 

Quuelle: MT-Melsungen Pressedienst


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