Wie schon in der letzten Saison zog die MT Melsungen im Heimspiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf den Kürzeren. Mit 28:31 (15:17) mussten sich die Nordhessen vor 2.809 Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle geschlagen geben. Hinterließen aber dennoch, vor allem in der zweiten Halbzeit, einen sehr guten kämpferischen Eindruck. Einsatz und Engagement stimmten, vor allem im Vorwärtsgang. Hinten offenbarten sich allerdings zu oft Lücken, die von den Niedersachsen eiskalt genutzt wurden. Ivan Martinovic war gegen seine alte Mannschaft mit sieben Toren auffälligster MT-Akteur, auf Hannoveraner Seite überzeugte neben dem lange Zeit überragenden Domenico Ebner vor allem Branko Vujovic mit sogar acht Treffern.

Keine Veränderungen gab es bei den Gastgebern zum ersten Heimspiel der Saison gegen Hamburg. Was bedeutete, dass alle Langzeitverletzten weiterhin diesen Status behielten. Im Tor begann Nebojsa Simic statt Adam Morawski, auf Rechtsaußen Julian Fuchs für Dimitri Ignatow. Hannover konnte aus dem Vollen schöpfen und setzte zwischen den Pfosten auf Domenico Ebner, Dario Quenstedt blieb auf der Bank. Eine sehr gute Entscheidung von Trainer Christian Prokop, denn sein Schlussmann des Vertrauend war mit gleich drei gehaltenen Bällen in den Anfangsminuten Garant einer 4:0-Führung der Recken (4.). Da hatte Melsungens Coach Roberto Garcia Parrondo seine erste Auszeit bereits genommen.

Nichts lief bei den Hausherren, die im Angriff keine Ordnung fanden und viel zu schnell den Abschluss suchten. Besonders schwer hatte es Ivan Martinovic, auf den seine ehemaligen Mannschaftskollegen sehr gut eingestellt waren. So bedurfte es individueller, emotionaler Ereignisse, um die MT ins Spiel zu holen. Wie ein gehaltener Siebenmeter von Simic gegen Marius Steinhäuser (6.), eine klasse Abwehraktion von Youngster Julian Fuchs mit Ballgewinn gegen Jonathan Edvardsson, die zum ersten Melsunger Tor zum 1:4 führte – natürlich ausgerechnet doch durch Martinovic (8.). Das holte in Wechselwirkung auch das anfangs ebenfalls konsternierte Publikum ins Spiel.

Es entwickelte sich ein faszinierender Schlagabtausch, in dem es im Sekundentakt rappelte. Die vier Tore bis zum 3:5 von Agustin Casado lagen nicht mehr als insgesamt 32 Sekunden auseinander! Zwar gelang Arnar Freyr Arnarsson noch der 4:5-Anschluss (9.), aber Hannover blieb in Vorlage. Als Julian Fuchs das 7:8 markierte (15.), hatte jedoch auch Christian Prokop Redebedarf mit seiner Mannschaft: Auszeit. Dass er genau die richtigen Worte fand, davon zeugte der Zwischenspurt der Hannoveraner, den Justus Fischer mit einem Doppelschlag zum 7:11 (18.) vollendete.

Das Spiel entwickelte sich in Wellen, in dieser Phase keine Spur von gleichförmigem Ablauf. Oder vielleicht doch, nur anders als gewohnt. Denn es fielen nicht abwechselnd Tore, sondern gleich Dreierpacks: zum 10:11 durch Andre Gomes (20.), zum 10:14 durch Uladzislau Kulesh (22.), der zweimal hintereinander erfolgreich zeichnete. Erst zum Ende der ersten Hälfte änderte sich das. Beide Teams waren annähernd ebenbürtig, leichte Melsunger Feldvorteile machte der extrem reaktionsschnelle Domenico Ebner weitgehend wett. Doch auch er konnte mit seinen Paraden nicht verhindern, dass Rogerio Moraes und Kai Häfner den MT-Rückstand zur Pause auf zwei verkürzten.

Dem TSV-Zerberus gehörte auch die erste Aktion nach dem Seitenwechsel, als er gegen Julian Fuchs rettete und damit Branko Vujovic sein fünftes Tor des Nachmittages ermöglichte, sein sechstes schickte der Montenegriner gleich zum 15:19 hinterher (34.). Aufregung gab es, als Ilija Brozovic den anstürmenden Andre Gomes rüde von den Beinen holte und dafür ohne große Beratungen der Referees die Rote Karte sah (34.). Den fälligen Siebenmeter verwandelte Ivan Martinovic sicher. Wie auch den nächsten nach einer Attacke von Vincent Büchner gegen Kai Häfner. Diesmal „nur“ mit einer Zeitstrafe geahndet, aber dennoch war zu erkennen: es wurde kämpferischer und härter auf dem Spielfeld.

Das bekam André Gomes noch einmal zu spüren, als ihn die Hand von Branko Vujovic voll im Gesicht traf. Verdeckt, so dass ein Referee zunächst sogar auf Stürmerfoul und Ballbesitz Hannover entschied, dann aber von seinem aufmerksamen Kollegen auf den tatsächlichen Sachverhalt hingewiesen wurde. Die TSV störte die Unterzahl wenig, Marius Steinhauser erhöhte im Tempogegenstoß gar auf 18:23 (40.). Julian Fuchs verkürzte noch einmal, dann war die zweite Prokop-Auszeit angesagt. (42.).

Die MT bemühte sich weiter um eine spielerische Lösung der Situation, bekam jedoch die Lücken in ihrer Deckung nicht gestopft. Und als dann doch mal ein Block gegen Vujovic zum Ballgewinn funktionierte, ging das Leder ausnahmsweise auch mal im Aufbau verloren. Zweiter Versuch Vujovic im Gegenstoß: 21:26 (45.). Im Angriff stimmte es weiterhin bei den Nordhessen. Zwar bekam auch Martinovic mal ein Offensivfoul gepfiffen, doch meist landete der Ball zuverlässig in den Maschen. Die Karte Ebner stach also nicht mehr, Dario Quenstedt kam. Musste aber zunächst nicht eingreifen, weil der Versuch eines Kempa-Anspiels von Agustin Casado auf André Gomes nicht ankam. Ivan Martinovic machte es solo besser und traf zum 26:28 (53.) – es wurde immer enger.

Zum wiederholten Male setzte Roberto Garcia Parrondo auf den siebten Feldspieler. Arnar Freyr Arnarsson kam, sperrte mustergültig frei und Andre Gomes spazierte förmlich durch die Lücke: 27:28 (54.). Der nächste MT-Treffer verdiente sich das Attribut „Zaubertor“. Agustin Casado spielte den bereits umklammerten Rogerio Moraes trotzdem an und der machte aus der Fang- direkt eine Wurfbewegung mit dem Rücken zum Tor daraus. Keine Chance für Quenstedt, 28:29 (56.), es wurde immer heißer unter dem Dach der Rothenbach-Halle. Ohne Happy End für die Gastgeber jedoch, denn genau zum richtigen Zeitpunkt feierte Dario Quenstedt seine erste Parade gegen Casado und Martinovic jagte die Kugel nur an die Latte statt ins Netz. Ein unglückliches Ende einer trotz aller Defizite in der Verteidigung grandiose kämpferische Leistung der Nordhessen, die schlussendlich nicht die nötige Fortune hatten, dieses Spiel noch zu ihren Gunsten zu drehen.

Stimmen zum Spiel

Roberto Garcia Parrondo: Glückwunsch an Hannover zu den zwei Punkten. Es war ein hartes Spiel und sie waren am Ende die Stärkeren. Mit dem kämpferischen Auftritt meiner Mannschaft und der Intensität im Spiel bin ich zufrieden, trotzdem brauchen wir es, dass unsere Spieler ihre Stärke im Angriff noch besser auf die Platte bringen. Hinten haben wir viele Tore sowohl aus der Nähe als auch aus der Distanz bekommen, da waren wir also nicht so gut. Insgesamt haben wir also zu viele Fehler gemacht. Vor allem am Anfang, als wir sehr nervös waren. Erst nach und nach konnten wir uns durchsetzen. Wir waren auch mehrmals dran, konnten diese Situationen aber leider nicht für uns nutzen.

Christian Prokop: Man kann wohl verstehen, dass ich glücklich bin über diesen hart erkämpften Auswärtssieg. Es ist schon sehr früh in dieser Saison entscheidend, ob wir den Anschluss nach oben bekommen oder uns eher nach unten orientieren müssen. Wir haben die Woche nach dem Flensburg-Spiel gut genutzt, um an unserem Tempospiel zu feilen. Dazu heute noch gut verteidigt und mit dieser Defensive und einem starken Domenico Ebner im Rücken mutig nach vorn gespielt. Mit der ersten Halbzeit bin ich sehr zufrieden, auch wenn die Chancenverwertung nicht optimal war. -Gefühlt hätten wir mit einem höheren Vorsprung in die Pause gehen müssen. In der zweiten Halbzeit haben wir etwas nachgelassen in Punkto Tempo, aber das sich entwickelnde Nervenspiel gut überstanden. Leider konnten wir das Spiel nicht frühzeitig zu machen und deshalb ist es jetzt umso schöner, dass wir diesen Sieg durchgebracht haben.

Quelle: Mt-Melsungen Pressedienst


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