MT Melsungen siegt mit 31:26 (14:14) über die Rhein-Neckar Löwen!
Vor 4.300 restlos begeisterten Zuschauern in der ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle waren allenfalls acht schwache Minuten zum Ende der ersten Hälfte zu beklagen, an deren Ende die Gäste sich nach vier Toren Rückstand erstmals die Führung holten.
Abwehrkampf vom Feinsten, ein glänzend aufgelegter Nebojsa Simic im Tor sowie nach dem Seitenwechsel ein Lasse Mikkelsen, der überhaupt nicht mehr zu halten war. Acht seiner neun Tore machte er im zweiten Durchgang. Und damit insgesamt zwei mehr als der erfolgreichste Löwen-Schütze, Uwe Gensheimer.

Dabei war die Position des MT-Spielmachers eine von zwei kleinen Überraschungen zu Beginn. Denn während bei den Löwen nicht der ehemalige Melsunger Mikael Appelgren, sondern Andreas Palicka das Tor hütete, begann bei den Gastgebern Domagoj Pavlovic im Angriff auf der Mittelposition. Entscheidungen, die, wenn auch indirekt, der MT mehr Nutzen brachten. Palicka bekam zunächst einmal keine Hand an die Würfe von Julius Kühn, der wiederum prima mit Pavlovic rochierte und erst zweimal über die Mitte, dann einmal sogar über Halbrechts traf.

Der Vorsprung blieb nicht nur, sondern erhöhte sich sogar. Weil der eingewechselte Johan Sjöstrand einen Siebenmeter von Uwe Gensheimer hielt, Kai Häfner in Unterzahl erst zum 10:6 traf und direkt nach Ablauf der Strafe gegen Maric mit einem sehenswerten Dreher zum 11:7 nachlegte (18.). Erst als Julius Kühn runter musste, sich Melsungen zwei Fehler im Aufbau leistete und der zurückgekehrte Kühn zu hoch visierte, kamen die Gäste heran und übernahmen in der Folge sogar das Kommando. Gedeon Guardiola gelang der Anschluss ins verlassene Tor, Jesper Nielsen glich aus, Alexander Petersson machte mit dem 12:13 die erste Gästeführung perfekt (27.). Was Tobias Reichmann noch einmal umdrehte, Uwe Gensheimer per Strafwurf direkt vor der Pausensirene zum 14:14 ausglich.

Mit Unterzahl startete Melsungen in die zweite Hälfte, was Patrick Groetzki nach Guardiolas Block gegen Kai Häfner zum 14:15 ins verlassene MT-Gehäuse nutzte. Kurze Zeit später musste Groetzki runter, Lasse Mikkelsen glich per Siebenmeter wieder aus (34.). Die Partie gewann immer mehr an Intensität. Nächster Leidtragender war Häfner mit der mittlerweile fünften Bankstrafe, darauf folgte Uwe Gensheimer mit der Fünften. Wieder Mikkelsen per Siebener, wieder Ausgleich – 16:16 (36.).

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Schon einmal waren es in der ersten Hälfte vier Tore vor für die MT, schon einmal kamen die Löwen zurück. So auch diesmal. Uwe Gensheimer und Andy Schmid verkürzten auf 21:19, Heiko Grimm reagierte mit seiner zweiten Auszeit (43.). Das Momentum aber blieb auf Seiten der Gäste. Mit sieben Feldspielern gelang das 22:20, durch Mads Mensahs abgefälschten Wurf sogar das 22:21 (46.). Zum Glück für Melsungen war Lasse Mikkelsen inzwischen vollends im Spiel angekommen. Von der Linie traf er ebenso wie zweimal aus dem Rückraum zum 25:23 (50.).

Die Löwen griffen wieder in die taktische Trickkiste, spielten erneut mit sieben Akteuren im Feld. Das ging schief. Nebojsa Simic hielt, Tobias Reichmann traf ins leere Tor – 26:23 (52.). Dann war wieder Mikkelsen dran und zwang die Löwen mit seinem achten Volltreffer zum 27:24 schon früh zu deren letzter Auszeit (54.). Andreas Palicka kehrte zwischen die Pfosten zurück, Mikkelsen traf weiter, diesmal bei angezeigtem passivem Spiel mit einem frechen Heber. Es war der MT und vor allem ihrem mittlerweile voll auf Vorjahresniveau angekommenen Regisseur nicht beizukommen.

Zumal Simic im Zurückfallen Peterssons Wurf über die Latte lenkte und den nächsten Versuch des Linkshänders buchstäblich von der Linie kratzte. Kai Häfners 29:25 traf die Löwen schon schmerzhaft, sein 30:26 und Simic‘ 16. Parade gegen Andy Schmid noch viel mehr. Das Hallendach drohte abzuheben, die Tribünen wackelten mächtig. Mit 100 Sekunden Restzeit auf der Uhr nahm auch Heiko Grimm seine letzte Auszeit, kurz nach Wiederbeginn war es wieder Häfner, der auch die allerletzten Zweifel mit dem 31:26 beseitigte.

Stimmen zum Spiel

Heiko Grimm: Ich muss meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen. Sie hat eine riesen Leistung gebracht. Es hat bisher wohl nur wenige Mannschaften gegeben, die gegen die Rhein-Neckar Löwen so verteidigt haben wie wir heute. Dazu kam, dass wir in der zweiten Halbzeit im Angriff sehr flexibel waren, uns gut einstellen konnten und immer wieder Lösungen gefunden haben. Man kann heute kaum ein Haar in der Suppe finden. Nur einen Hänger hatten wir zum Ende der ersten Halbzeit. Da müssen wir ruhiger bleiben und so eine Phase mal mit einem 1:4 beenden statt mit einem 0:5. Ein kleines Problem hatten wir noch, uns auf die 6-gegen-7-Situationen zum Schluss einzustellen, was uns dann aber doch noch gelungen ist. Trotzdem muss ich nach so einem Spiel die Spaßbremse spielen. Das war heute zwar eine tolle Leistung, die müssen wir aber am Dienstag im Pokal schon wieder bestätigen.

Kristján Andrésson: Glückwunsch an Melsungen. Das bessere Team hat heute gewonnen. Wir mussten fast die ganze zweite Halbzeit gegen einen Rückstand anrennen. Und kämpferisch war unser Gegner heute gerade in der Defensive sehr stark. Ebenso wie im Angriff in der zweiten Hälfte. Da haben wir einfach zu viele technische Fehler gemacht. Und Melsungen die Möglichkeit gegeben, in Führung zu gehen und zu bleiben.

Axel Geerken: Ich glaube, dieses Gesicht unserer Mannschaft wollen wir alle sehen. Heute sind alle von ihr begeistert, vor zwei Wochen sah das noch ganz anders aus. Daran sieht man, dass es gut ist, auch in schlechten Phasen die Ruhe zu bewahren. Und jetzt können wir sehen, dass das Team in Balingen nicht das wahre Team war. Jetzt wollen wir natürlich auch am Dienstag im Pokal weiterkommen.

Oliver Roggisch: Glückwunsch auch von mir an Heiko und Axel für die verdienten zwei Punkte. Unsere guten Phasen heute waren nicht gut genug, um diesen Gegner zu schlagen. Wir kommen nach Rückstand zweimal wieder ran, schaffen es dann aber nicht, den Level hoch zu halten. Jetzt ist es nach so einem Spiel natürlich schade, dass wir nicht gleich am Sonntag wieder ein Spiel haben. Die Niederlage wird uns so noch ein paar Tage weh tun.


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